Der Stammbaum der Familie ter Haseborg

Die Reise unserer Familie durch die Zeit.

Gephard ter Haseborg

Der Bauernhof an der Oosterstraat

Gephard übernahm bereits im Jahr 1854, im Alter von nur 21 Jahren, die Leitung des Bauernhofs an der Oosterstraat. Viele Jahrzehnte bewirtschaftete er den Hof, obwohl er im Herzen weniger Landwirt als vielmehr ein „Gelehrter“ war. Seine Interessen galten der Politik, der Theologie, der Archäologie und der Familiengeschichte. Dennoch widmete er sich auch der Landwirtschaft mit großer Sorgfalt, insbesondere der Fruchtfolge, wie aus einem von ihm verfassten Bericht über die Betriebsführung hervorgeht.
Die Verantwortung den Bauernhof zu übernehmen fiel ihm zu, nachdem zunächst sein Vater Jan Mennes 1845 und anschließend sein älterer Bruder Jan Pelinck im Jahr 1849 im Alter von nur 23 Jahren früh verstorben waren.

Der Vorgängerhof stand unmittelbar rechts neben dem heutigen markant weiß verputzte Bauernhof, auf dem heutigen Grasfeld, das damals das ursprüngliche Hofgelände darstellte.
Ab 1810 begann sein Vater Jan (an anderer Stelle ist mehr von ihm zu lesen) mit dem systematischen Ankauf landwirtschaftlicher Flächen. Bis 1832 umfasste sein Besitz bereits rund 30 Hektar. Im Jahr 1836 erwarb er zusätzlich mehr als drei Hektar Land mit dem verfallenen und unbewohnten Bauernhof Hessen.

Um diesen alten Hof rankten sich zahlreiche Gerüchte im Dorf. Bewohner berichteten von Geistererscheinungen und nächtlichen Geräuschen, die wie Rutschen klangen: Sie begannen im Vorhaus, zogen sich durch den Flur, führten die Treppe hinauf bis zum Dachboden und verstummten dort. Der Legende nach hatten einst zwei Brüder auf dem Hof gelebt, von denen einer den anderen getötet haben soll. Dieses Ereignis galt als Ursache der angeblichen Spukerscheinungen. Schließlich wollte kein Dienstpersonal mehr dort arbeiten, der Hof wurde verlassen und dem Verfall überlassen.

Jan ter Haseborg erwarb den alten Hof samt umliegender Flächen mit dem Ziel, einen neuen Bauernhof zu gründen. 1836 wurde dieser neu errichtet. Der erste Knecht sollte dort mit seiner Familie wohnen, weshalb das Wohnhaus sehr schlicht gehalten wurde. 1

Hof an der Oosterstraat4

Ehe und Kinder

Nach Gephards Heirat im Jahr 1861 mit der Kaufmannstochter Jantje Goukes aus Veendam zog das Paar nicht auf den Hof, sondern zunächst in das Elternhaus an der Torenstraat. Dort wohnten sie, bis das neue Vorderhaus fertiggestellt war, das 1865 an den bestehenden Bauernhof angebaut wurde. Der ursprüngliche Hof mit seinen drei schlichten Innenräumen war für das wohlhabende Ehepaar zu einfach, sodass man sich entschloss, ein repräsentatives Wohnhaus zu errichten. Das neue Vorhaus wurde von Beginn an verputzt und weiß gestrichen und im Jahr 1865 fertiggestellt. Es verfügte über einen 14 Meter langen Flur, drei große Wohnräume sowie zwei Schlafzimmer im Obergeschoss.1 Im Jahr 1875 wurde gegenüberliegend noch ein Kutschenhaus erbaut. 4

Frauen am Hof um 19005

Gephard Pieter und Jantje Goukes hatten acht Kinder. Jan und Pieke Bernhard starben früh im Alter von drei beziehungsweise sieben Jahren. Sohn Menno heiratete Jantine Fennechiene Hamine Knottnerus und übernahm 1905 den Bauernhof an der Oosterstraat. Jan Pelinck heiratete Wilhelmina Vunderink und wurde Pfarrer. Darüber hinaus gab es vier Töchter – Sophia, Eetje Allegonda, Henrica Gepkéa und Magrietha Mechelina Getruida –, die alle unverheiratet blieben.

Jantje Goukes um 19054

Seine Persönlichkeit

Gephard Pieter muss in Scheemda eine markante Persönlichkeit gewesen sein. Als Landwirt, langjähriger Kirchenvorsteher (ein Amt, das er 35 Jahre ausübte), Gemeinderat und Mitglied der Nachtwächterkommission genoss er zweifellos großen Respekt.
Besonders ausgeprägt war sein Interesse an der Geschichte. So war er 1870 in Eexta anwesend, als dort die mittelalterliche Kreuzkirche abgerissen wurde. In einem seiner Briefe berichtete er detailliert über architektonische Besonderheiten und über Malereien, die unter den Kalkschichten zum Vorschein kamen.
Auch bei der Renovierung der Kirche von Scheemda im Jahr 1897, als Bänke und Fußböden entfernt wurden, suchte er mit einer Eisenstange im Boden nach verborgenen Schätzen.

Überlieferungen zufolge war Gephard Pieter ein strenger und autoritärer Mensch. Wollte er zu Hause das Wort ergreifen, erwartete er, dass auf sein Kommando hin Stille herrschte. Zudem bestand er darauf, dass bei Gemeindeversammlungen stets für einen gut geheizten Ofen gesorgt wurde, obwohl ihm selbst aufgrund seiner dicken Kleidung selten kalt war.
Einmal rutschte der Gephard auf glatter Fahrbahn aus und stürzte. Besorgte Passanten eilten herbei und fragten, ob er sich verletzt habe. Seine lakonische Antwort lautete: Nein, es war, als säße ich in einem Federbett.1

Abriss des Elternhauses und Neubau der Villa

Als sein Sohn Menno 1905 den Hof übernahm, entschieden Gephard und Jantje, in das Elternhaus an der Torenstraat zurückzukehren, in dem noch seine betagte Schwester Magrietha lebte.

Auf einer Postkarte aus der Zeit um 1900 sehen wir das Haus von der Straßenseite aus mit einer Tür in der Mitte und drei großen Fenstern auf beiden Seiten. Foto: Sammlung J.P. Koers1

Kurz vor dem Abriss des alten Kaufmannshauses im Jahr 1904 machte Sophia ter Haseborg eine Aufnahme der Hausrückseite. Wir sehen das alte Querhaus aus dem 18. Jahrhundert mit einem später hinzugefügten Obergeschoss. Foto: Sammlung J.P. Koers 1


Das alte Haus entsprach jedoch nicht mehr den Bedürfnissen eines Ruhestandsdomizils – insbesondere, da vier Töchter weiterhin im Elternhaus wohnten.
In den Jahren 1904/1905 wurde das alte Gebäude abgerissen und durch ein monumentales Haus mit einem hohen, großzügigen Obergeschoss ersetzt. Im Erdgeschoss befanden sich links ein Schlafzimmer, in der Mitte der Salon und rechts das Wohnzimmer. Auf der Rückseite lagen Gartenzimmer, Hinterhaus und Küche. Das Obergeschoss verfügte über sechs Räume: drei Schlafzimmer, ein Gästezimmer und zwei Dachzimmer. Im Jahr 1948 wurden im Zuge einer kleinen Renovierung einige Räume einer neuen Nutzung zugeführt.1

Das neue Haus mit Balkon, kurz nach seiner Fertigstellung im Jahr 1905.2

Gephard Pieter ter Haseborg, Jantje Goukes und Margarietha1

Gephard Pieter ter Haseborg5

Die Damen "ter Haseborg""

Gephard Pieter starb am 11. Dezember 1921 im Alter von 89 Jahren. Jantje Goukes folgte ihm am 1. Februar 1923.
Nach dem Tod der Eltern blieben die vier unverheirateten Töchter gemeinsam mit dem Hauspersonal im Elternhaus wohnen und wurden im Ort als die „Damen ter Haseborg“ bekannt. Als Töchter aus gutem Hause hatten sie vermutlich Internate besucht; in späteren Jahren unterhielten sie sich gelegentlich zum Vergnügen auf Französisch.
Jede der Schwestern hatte ihren festen Aufgabenbereich im Haushalt: Eetje war für das tägliche Essen zuständig, Sophia für die Soßen und Magrietha für die Suppen.
Sophia spielte ausgezeichnet Klavier und begeisterte sich für Fotografie – eine für Frauen um 1900 ungewöhnlich fortschrittliche Beschäftigung. Etwa um diese Zeit, im Alter von rund 35 Jahren, muss sie ihre Kamera erworben haben. Das Gerät selbst ist nicht erhalten, wohl aber eine Sammlung von Glasnegativen, die vor allem Familienmitglieder zeigen: Obwohl nicht alle Aufnahmen scharf sind, gibt es wunderschöne Bilder von Gephard Pieter auf dem Bauernhof und in seinem Haus, von Kindern und stattlichen Damen in langen Kleidern. Auch eine Aufnahme des alten Hauses an der Torenstraat existiert; sie wurde kurz vor dem Abriss 1904 von der Achterlaan aus aufgenommen (siehe oben).1

Für viele Dorfbewohner war das Haus der Damen eine Art verschlossene Burg: dunkle Räume mit schweren Vorhängen, zahlreiche Familienantiquitäten und ein Apfelgarten mit hohem Zaun, der das Reich des Gärtners markierte. Zum Gartenbestand gehörten unter anderem ein Weichselbaum, aus dessen Holz früher Pfeifen gefertigt wurden, ein Olivenbaum, ein Kornelkirschenbaum, zehn Birnbäume, sechs Kirschbäume, vier Pflaumenbäume und neun Apfelbäume sowie verschiedene Beerensträucher und Haselnüsse.
Im Lustgarten mit Spargelbeeten, Stauden und Gemüse stand zudem eine mächtige, jahrhundertealte Linde.
Auf einem von Sophias Fotos ist der Baum mit einer Bank zu sehen, die von Sandsteinornamenten aus dem 18. Jahrhundert gestützt wird – möglicherweise Reste eines Kamins aus einem früheren Haus.

Um die alte Linde im Apfelgarten an der Achterlaan stand eine Bank aus mehreren Sandsteinornamenten. Diese gehörten mit ziemlicher Sicherheit zu einem Kamin aus dem 18. Jahrhundert, der zu Zeiten der Familie Wolthuis im Haus stand.3

Sandsteinornament3

Sophia starb 1942, Henrica 1948, Eetje 1951 und schließlich Magrietha im Alter von 85 Jahren am 20. Februar 1963. Das Haus an der Torenstraat vermachte Magrietha im Jahr 1963 ihrer Tante Magrietha Etienne. Noch im selben oder im darauffolgenden Jahr wurde es an Koert Pijning verkauft, der das Gebäude wieder instand setzte. Das Obergeschoss wurde zeitweise vermietet. Die Scheune (das ehemalige Kutschenhaus) blieb zunächst im Besitz der Familie Ter Haseborg, wurde jedoch um 1970 an Herrn Beertema veräußert. Nach dem Wegzug der Familie Pijning begann der bauliche Zustand des Hauses sich rasch zu verschlechtern. Zwar wurde ein Teil des Gebäudes noch vermietet, doch richteten die Mieter mehr Schaden als Nutzen an. Die Instandhaltung blieb aus, Fenster wurden eingeschlagen und Regenwasser drang durch das undichte Dach ein. In den letzten Jahren galt das leerstehende „Spukhaus“ mit seinen vernagelten Fenstern den Bewohnern der Torenstraat als Ärgernis.

Der Bauernhof an der Oosterstraat blieb bis etwa 2002 im Besitz und in der Nutzung von Angehörigen der Familie ter Haseborg. Heute ist der Hof auf der Seite des Denkmalamtes Monumenten.nl der Niederlande verzeichnet.

Der Hof auf der Seite monumenten.nl4

Quellenverzeichnis

  1. https://sites.google.com/view/historischeverenigingscheemda/oude_artikelen/36_1
  2. Groninger Archiven NL-GnGRA_1986_23254
  3. Foto: Fam. G. van der Dussen-ter Haseborg
  4. https://www.monumenten.nl/monument/522088
  5. Foto: Jan P. Koers (facebook)


 

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