Der Stammbaum der Familie ter Haseborg
Die Reise unserer Familie durch die Zeit.
Seinen Vater Fokko ter Haseborg und seinen Bruder Menno ter Haseborg haben wir bereits kennengelernt, nun wenden wir uns Jan ter Haseborg (1735–1808) zu.
Jan ter Haseborg wurde am 21. August 1735 in Mitling als viertes von acht Kindern von Grietje Wolthuis und Focko ter Haseborg geboren.
Er wuchs in einer Familie auf, die beiderseits der deutsch-niederländischen Grenze gut vernetzt war.
Früh wurde Jans Leben von Verlusten geprägt.
Zwei seiner Geschwister verstarben schon vor seiner Geburt, ein weiterer Bruder starb 1758 im Alter von 26 Jahren.
Ein Jahr später, 1759, trug die Familie den Vater zu Grabe, und 1760 folgte ein weiterer Bruder, der nur 18 Jahre alt geworden war.
Pieter Wolthuis handelte mit Textilien und Holz und bewirtschaftete zudem Land.
Er gehörte zu jener Gruppe von Kaufleuten, die das wirtschaftliche Leben des Ortes im 18. Jahrhundert prägten.
Das Geschäft von Pieter Stevens Wolthuis war eng mit seinem Wohnsitz verbunden.
Es handelte sich um ein klassisches kombiniertes Wohn- und Handelshaus, wie es für kleinere Handelsorte typisch war:
Das Haus an der Torenstraat in Scheemda, das sich seit 1668 in Familienbesitz befand, diente zugleich als Lager, Verkaufs- und Verwaltungssitz.
Im Jahr 1904/05 wurde das Haus durch Gephard Pieter ter Haseborg abgerissen; an seiner Stelle entstand ein Herrenhaus mit Kutschenhaus.
Ein alter Wandanker aus dem Erbauungsjahr 1626 befindet sich noch heute in Familienbesitz. 1

Wandanker aus dem Jahr 1626, Fam. Koppius-ter Haseborg, Hardenberg1

Grundbuchkarte von ca. 1825 mit der Torenstrasse und dem Haus unter Nummer 237.1
Im Jahr 1759, als Pieter Wolthuis den Besitz übernahm,
wurde eine Bestandsaufnahme des gesamten Hausrats, der Stoff- und Holzvorräte erstellt.
Der Hausrat wurde dabei raumweise erfasst und erlaubt einen aufschlussreichen Einblick in die Aufteilung des Hauses.
So gab es ein Zimmer im Obergeschoss – vermutlich über dem Keller gelegen –
mit einem Schrank, Tischen, einer Couch, zwölf Stühlen, Betten mit Bettwäsche und nicht weniger als 167 Delfter Tellern.
Im Vorzimmer befanden sich ein Schrank, Stühle, Bettwäsche und acht Gemälde.
In der Küche wiederum wurden eine Uhr, ein Barometer, Tische, Bettwäsche sowie große Mengen an Zinn- und Kupfergeschirr verzeichnet.
Im Keller lagerten Bierfässer, ein Fass und Eimer.
Unter den Silberwaren finden sich Kerzenhalter, Tabakgläser, Gabeln, Messer, Schuhschnallen, 31 Löffel sowie 179 silberne Knöpfe.
Hinzu kam ein umfangreicher Leinenbestand mit elf Herrenhemden, sechzehn Damenhemden, 66 Laken, 27 Kissenbezügen und 84 Servietten.
Außerdem befanden sich im Haushalt nicht weniger als 190 große und kleine Bücher – vermutlich überwiegend theologischer Natur,
was dennoch auf ein breites Interesse der Familie schließen lässt.
Der Wert des im Kabinett gefundenen Bargeldes – "de guldens en de sak schillings, 4 stukken golt gelt en 42 stukken groot en klein in zilver",
belief sich auf mehr als 1.000 Gulden.
Hinzu kam ein erheblicher Bestand an offenen Forderungen:
Die Buchschulden der Kunden beliefen sich auf nicht weniger als 10.410 Gulden, dazu kamen Schulden von Familie und Freunden in Höhe von 3.811 Gulden.
Es handelte sich also um ein außerordentlich großes Kapital, das Pieter Wolthuis damals übernahm.1

Finanzielle Abwicklung der Waren bei der Übernahme durch Pieter Wolthuis am 06.07.17591

Ausschnitt aus dem Ladeninventar von 17741
Von 1774 bis 1808 führte Jan ter Haseborg die Geschäfte in Scheemda weiter.
Aus dem Jahr 1774 ist bekannt, dass in dem Gebäude zwei Geschäfte betrieben wurden:
der Handel mit Laken und Stoffen und mit Holz.
Die umfangreichen Stoffbestände lassen vermuten, dass es sich teilweise um eine Art Lagerhaus gehandelt haben muss,
auch wenn das Inventar nur von Beständen im Laden und im „alten Laden“ spricht.
Die detaillierte Auflistung der Stoffe nach Farbe und Material ist dabei besonders bemerkenswert:
Stoffe in bleifarbe, dunkelbraun, mausgrau, grün und blau, rot, Bombasin, Hosenstreifen, graues Leinen, Tierentijn, Geschirrtuch und Schleier, Damast,
schwarze Seide, Trauertücher, Trauerschleier, Fischbeinstäbchen, Knöpfe aus Glas und Zinn, Hosen, Strickbänder, Barettbänder und Leder.
Dass Wolthuis nicht nur ein wichtiger Lieferant von Stoffen für den einfachen Mann war, sondern auch für die reiche Oberschicht, geht aus dem Inventar eindeutig hervor.
Neben dem Stoffhandel wurde auch ein Holzhandel erwähnt.
Angesichts des sehr begrenzten Platzes auf dem Grundstück muss dieses Unternehmen an einem anderen Ort angesiedelt gewesen sein.
Wir lesen von Vorräten an Latten, Rippen, Kiefernholz, Juffers, Fichten- und Eichenholz.
Über Jans tägliche Handelstätigkeit ist wenig überliefert, doch steht außer Frage, dass er in die Fußstapfen seines Onkels trat
und dessen wirtschaftliche Stellung fortsetzte. 1
Jan ter Haseborg starb am 23. September 1808 in Scheemda an einer „Borst-ziekte en verval van kragten“ – einer Brustkrankheit verbunden mit allgemeinem Kräfteverfall. Drei Tage später wurde er an der Nordseite der Kirche von Scheemda beigesetzt.
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